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Österreich • Tauern Haute Route 2005
 
950 m 200 m
Busfahrt nach Krimml - Krimmler Wasserfälle - Taxifahrt ins Krimmler Tal
Aufstieg Warnsdorfer Hütte (2.336 m) - Eingehtour Sonntagskopf (2.527 m)
Gehzeit: 4 Std.

Um 9.00 Uhr stehen wir pünktlich am Informationszentrum in Neukirchen. Ein Teil der Gruppe und Karl, unser Bergführer, sind auch schon vor Ort. Wir verschwenden keine Zeit, bis die Letzten eintreffen, ist schon das gesamte Ausrüstungsmaterial verteilt. Steigeisen, Eispickel, Karabiner, Bandschlinge, Rebschnur, usw. - nun ist jeder gerüstet für das, was da kommen mag.

Karl erklärt uns, dass die Jeeps und Busse im Naturschutzgebiet nur bis 11.00 Uhr fahren dürfen. Was für uns heißt, wir müssen so schnell wie möglich zu den Krimmler Wasserfällen, dort an den Seitenhängen hochlaufen und eben diese Fahrt durch das Krimmler-Achental antreten. Nicht dass wir die 22 km bis zur Materialseilbahn Warnsdorfer Hütte auch noch laufen müssen ;-)

Gesagt getan, sobald unsere Gruppe vollzählig ist, brechen wir mit einem kleinen Bus in Richtung Wasserfälle auf. Die Fahrt dauert höchstens eine Viertelstunde. Dort angekommen geht's dann auch schon los, wir laufen die ersten Meter unserer Tour. Rechts an den Wasserfällen hoch verläuft ein schöner breiter Wanderweg, die Aussicht auf das tosende Wasser ist atemberaubent. Wir brauchen ca. eine Stunde bis wir oben ankommen, dort stehen schon die besagten Fahrzeuge für uns bereit. Ohne Zeit zu verlieren, steigen wir ein und fahren los.

Herrlich, einfach herrlich - wie im besten Heimatfilm zieht sich dieses Tal dahin. Bunte Blumenwiesen, ein kristallklarer Bach und glückliche Kühe am Wegesrand - eben wie im Film. An der Materialseilbahn angekommen, bietet sich uns ein Alpenpanorama der Extraklasse. Die Dreiherrenspitze mit seinem Gletscher liegt in voller Pracht vor uns. Dieser Ausblick wird uns nun den ganzen Tag begleiten.

Bei strahlendem Sonnenschein greifen wir den Weg in Richtung Warnsdorfer Hütte an. Diese ist auch nach wenigen Minuten schon zu sehen. Der Weg verläuft über eine Moräne Kurfe um Kurfe stetig nach oben. Es dauert auch nicht lange, bis wir die Hütte erreicht haben.

Nachdem wir unsere Schuhe brav in den Umkleideraum gestellt haben, zeigt uns Karl auch gleich unsere Lager. Wir können uns nicht beschweren, das Haus und die Zimmer sind frisch renoviert. Sehr schöne Unterkunft, wir fühlen uns schon fast wie im Hotel.

Nachdem ich mir ein Bett ausgesucht habe, gehe ich gleich wieder nach unten auf die Terrasse. Dort wartet eine leckere Speckknödelsuppe und eine Apfelsaftschorle auf mich. Hmmm... war die lecker. Karl gönnt uns eine Stunde Pause, dann müssen wir wieder ran.

Einlaufen steht auf dem Programm. Alle zusammen machen wir uns auf den Weg Richtung Sonntagskopf. Der liegt ein paar Höhenmeter über uns und ist von der Hütte aus gut zu sehen. Ich glaube nicht, dass nur das Eingehen bei dieser Unternehmung im Vordergrund steht. Unser Bergführer möchte auch sehen, ob wir konditionell für die kommende Woche gerüstet sind - und wie soll es anders sein... wir sind es!

Am späten Nachmittag kommen wir wieder an der Hütte an. Nach einem guten Stück Apfelstrudel und einem Schluck Kaffee wird die Ausrüstung geprüft und angepasst. Die Steigeisen werden eingestellt, der Klettergurt angelegt und das Umgehen mit dem Eispickel erklärt. Damit aber nicht genug, jetzt kommt er - der schwarze Sack. Karl zeigt uns was alles in einem Tourenrucksack sein muss, kann oder sollte. Wer mehr dabei hat, kann dies alles in den Sack stecken und nach der Tour im Fremdenverkehrsamt wieder abholen. Gebrummel macht sich breit, keiner möchte sich so recht von seinen unnötigen Utensilien trennen. Nun wie sollte es aber auch anders sein, im Laufe des Abends wird der Sack voller und voller. Das nenne ich Bergführer-Erfahrung ;-)

Der Tag geht gemütlich in der Wirtsstube zu Ende. Wir bekommen ein spitzen Abendessen, genauso wie es ein Bergsteiger verdient. Bevor sich aber jeder in seinem Schlafsack verkrümmelt, gehen wir alle noch einmal nach draußen und genießen den Sonnenuntergang.

Ein wunderschöner Tag neigt sich dem Ende... gute Nacht!

       
850 m 900 m
Gamsspitzl (2.888 m) - Maurer Törl (3.108 m) - Großer Geiger (3.360 m)
Essener-Rostocker Hütte (2.208 m)
Gehzeit: 6 Std.

5.20 Uhr, die Tür geht auf, Karl weckt uns wie vereinbart. Der zweite Tag beginnt schon recht früh, schließlich haben wir ja einen weiten Weg vor uns. Punkt 6.00 Uhr wird gefrühstückt. Wir bekommen Tee, Kaffee, Müsli, Brot, Kuchen und vieles mehr - hier auf der Warnsdorfer Hütte wird man fast mehr verwöhnt als im Hotel.

Um 6.45 Uhr treffen wir uns alle vor der Hütte, wir gehen in zwei Gruppen zu je sechs Mann. Im Abstand von ca. 15 Min. laufen wir früh am Morgen Richtung Gamsspitzl (2888 m), unserem ersten Etappenziel. Es ist noch recht frisch, der Himmel sieht für diesen Tag vielversprechend aus, keine einzige Wolke ist auszumachen. Immer unser Ziel vor Augen, geht es im angenehmen Tempo Schritt für Schritt über Schneefelder und Geröll immer weiter. Es dauert auch nicht lange, und wir stehen schon recht bald am Tag auf dem Gamsspitzl.

Was für eine Aussicht, wir alle sehen ihn von hier aus zum ersten Mal, mit all seiner Pracht, - den Großvenediger. Meine Güte, was für ein schöner Berg. Er ist umgeben von einem riesigen Gletscher, wir sehen ewiges Eis so weit das Auge reicht. Nach wenigen Minuten Pause müssen wir einige steile Meter nach unten, um auf den Gletscher zu gelangen. Karl ist schon einmal voraus gegangen, um das Seil auszupacken.

Ab hier geht es für den Rest des Tages dann in der Seilschaft weiter. Wieder in zwei Gruppen laufen wir die ersten Meter recht angenehm in Richtung Mauerer Törl (3108 m). Von Minute zu Minute wird der Weg dort hoch immer steiler. Karl, der vor mir geht, stampft wie ein Uhrwerk einen Schritt nach dem anderen ins Eis, so dass wir alle in seinen Fußabdrücken guten Halt für den Weg nach oben finden. Hier und da breche ich mal ein, tja ich muss wohl etwas schwerer sein als unser Bergführer. Sich jedes Mal aus dem Schnee kämpfen kostet ganz schön Kraft. Ich möchte nicht wissen, wie dieser Weg ist, wenn man kräftig spuren muss. Wir liegen gut in der Zeit, als wir am Mauerer Törl ankommen und den ersten anstrengenden Aufstieg für diesen Tag hinter uns haben.

Wie am Fließband sehen wir ein Etappenziel nach dem anderen. Kurz nach dem Maurer Törl ist er dann auch schon in Sichtweite, - der Große Geiger (3360 m). Karl erklärt uns, dass der Weg dort hoch von hier aus zwar nicht lange und schwierig aussieht, sich aber doch bis zu 3 Std. hinziehen kann. Er sollte recht behalten, man kann sich in den Bergen ganz schön verschätzen - auch ich hätte mich hier vertan.

Da wir gut in der Zeit liegen und das Wetter aussieht, als ob es hält, brechen wir alle in Richtung Großer Geiger auf. Nach wie schon gesagten 3 Std. Aufstieg über Gletscher, Schnee, Eis und Geröll; in einer Steigung, die ich bis dato auch noch nicht kannte, waren wir also da - auf dem Gipfel des Großen Geiger. Von hier oben bietet sich uns eine Aussicht über das Venediger Gebiet, die unbeschreiblich ist. Selbst der Großglockner ist in der weiten Ferne gut zu erkennen. Wir bleiben nicht lange, nach höchstens fünf Minuten Gipfelglück geht es dann wieder nach unten in Richtung Tagesziel: der Essener-Rostocker Hütte.

Bis wir dort ankommen ist es allerdings noch ein weiter Weg. Die ersten zwei Stunden zur Hütte geht es wieder nur über den Gletscher. Die letzten Meter werden wir sogar noch gezwungen die Steigeisen anzulegen. Hier liegt kein Schnee mehr vom Winter, das Eis wird blank und ohne Steigeisen ist man schnell weggerutscht.

Der Weg ins Tal bis zur Hütte zieht sich noch einmal ganz schön, aber stolz und glücklich über das Erlebte treffen wir dann alle um 17.00 Uhr in der Hütte ein. Was für ein Tag, den muss ich erst einmal in einer ruhigen Minute verarbeiten.

Auf der Essener-Rostocker Hütte werden wir wie in jeder Unterkunft dieser Tour gut versorgt. Das Abendessen ist auch hier reichlich und gut. Wir alle sitzen den ganzen Abend in gemütlicher Runde am Tisch und erzählen von uns und unseren Erlebnissen in den Bergen - da gibt es viel zu erzählen... gute Nacht!

       
       
Wegen Schlechtwetter:
Vormittag, Ausbildung im Kartenlesen u. Knotenkunde auf der Hütte.
Nachmittag, optional kleine Wanderung in der nahen Umgebung.

Schon in der Nacht bahnte es sich an, gesehen habe ich von meinem Bett aus freilich nichts, aber es war nicht zu überhören. Es stürmte draußen, der Wind kam mit aller Wucht und schlug Fenster und Türen auf. Man merkte, dass es sich nicht um ein laues Lüftchen handelte.

Früh am Morgen, als es dann endlich hell wurde, sahen wir es dann. Unser heutiges Ziel, die östliche Simonyspitze, zu besteigen war nicht möglich. Es hatte die ganze Nacht geschneit, der Wind hatte immer noch nicht nachgelassen und arschkalt war es obendrein.

Karl machte es dann offiziell, beim Frühstück teilte er uns mit, dass wir, wie es alle schon geahnt hatten, nicht in Richtung Simonyspitze aufbrechen werden. Aber faul im Bett rumliegen ist dann doch nicht, schließlich sind wir ja nicht zum Spaß hier.

Das Tagesprogramm wird während des Frühstücks in der gemütlichen Hütte festgelegt. Vormittags steht richtiges Kartenlesen und Knotenkunde auf dem Programm, am Nachmittag wird je nach Wetter eine kurze Wanderung in der nahen Umgebung unternommen. Treffpunkt für die beiden Kurse ist 9.00 Uhr. Nun gut, bis dahin leg ich mich auf jeden Fall noch einmal aufs Ohr, schließlich hab ich ja Urlaub.

Zwei Minuten vor 9.00 Uhr krabble ich aus meinem Schlafsack, nun aber hurtig runter ins Gästezimmer. Wenn ich schon nicht Bergsteigen kann, will ich wenigstens noch was Lernen. Aufgeteilt in zwei Gruppen werden wir nun unterrichtet. Karl übernimmt das Kartenlesen und Matthies, unser zweiter Bergführer, zeigt uns verschiedene Knoten mit den dazugehörigen Funktionen. Auch wenn ich das alles schon mal vor zwei Wochen im Kaunertal zum Alpinen Ausbildungskurs gelernt habe, schadet es nichts, dies alles noch einmal zu üben. Nach einer knappen Stunde wird dann gewechselt, jetzt kommt das Kartenlesen an die Reihe. Karl zeigt uns anhand der nahen Umgebung und einem großen Bild der Simonyspitzen, wie eine Karte aufgebaut ist, wie man sie benutzt und was man alles an Informationen aus dem Stück bedruckten Papier ablesen kann. Die beiden Stunden waren für alle sehr informativ.

Bis 14.00 Uhr stand uns die Zeit dann wieder zur freien Verfügung. Das Wetter hatte sich noch immer nicht gebessert. Es stürmt nach wie vor draußen. Punkt 14.00 Uhr waren dann alle wieder bereit, um den zweiten Teil des Tages anzutreten. Eine Wanderung in der nahen Umgebung steht an. Eingepackt wie im tiefsten Winter gingen alle los. Fotos von dieser Unternehmung werdet ihr auf meiner Internetseite nicht finden, denn bei den Witterungsverhältnissen bleibt eine Digitale Spiegelreflex lieber in ihrer Tasche. Gut durchnässt, aber mit frischer Luft in der Lunge, sind dann alle nach zwei Stunden wieder in der Hütte. Wie gemütlich vier schützende Wände sein können.


Am späten Nachmittag ist es dann endlich so weit, die ersten Wolkenfetzen sind zu sehen. Zwischendurch sieht man sogar ein blaues Stück Himmel. Kaum zu glauben, aber es reißt wieder auf. Das lässt uns auf gutes Wetter für den nächsten Tag hoffen. In der Hütte hängt der Wetterbericht für morgen aus, mal sehen was da abgedruckt ist. Tatsächlich, der sagt sonniges und wolkenfreies Urlaubswetter an!

Gespannt was auf uns zu kommt, verbringen wir auch den zweiten Abend gemütlich und lustig auf der Essener-Rostocker Hütte. Nun dann... gute Nacht!

       
1450 m 700 m
Schweriner Höhenweg - Türmljoch (2.790 m) - Defregger Haus (2.952 m)
Gehzeit 7 Std.

Die Zeit vergeht auf jeder Tour wie im Fluge. Nun hat schon der vierte Tag unserer Unternehmung begonnen. Heute steht eine eher gemütliche Wanderung auf dem Programm. Aus dem Grund stehen wir auch zu einer für Bergtouren normalen Zeit auf.

Es ist 7.45 Uhr als wir alle in Richtung Türmeljoch starten. Wieder sind wir in zwei Gruppen unterwegs. Diesmal gehe ich bei Matthies zusammen mit den Ersten vorneweg. Bis wir am Türmeljoch ankommen vergehen bei herrlichem Sonnenschein gute zwei Stunden. Der Weg dort rauf ist sehr angenehm zu laufen und nicht gerade steil. Nach jeder guten Stunde Gehzeit machen wir auch an diesem Tag eine Trink- und Müsliriegel-Pause. Das ist halt das Schönste in den Bergen... die Pausen ;-)

Oben am Türmeljoch haben wir zu beiden Seiten eine Fernsicht, wie wir sie uns einen Tag zuvor gewünscht hätten. Vor uns liegt das gewaltige Gletschergebiet der Großvenediger Gruppe, hinter uns sehen wir ein letztes Mal in dieser Woche die beiden Simonyspitzen. Wir gönnen uns hier oben ein paar Minuten Ruhe, bis wir auf der anderen Seite hinab zur Johannis Hütte gehen. Gute 700 HM bergab trennen uns noch von einer guten Speckknödelsuppe und einer dazugehörigen Apfelsaftschorle.

Begleitet werden wir Schritt für Schritt von den mächtigen Gletschern der Venediger Gruppe. Was für ein Fläche Eis da noch liegt! Kaum zu glauben, dass da schon etwas weggeschmolzen ist. Punkt 12.00 Uhr sind wir dann an der Hütte. Auf der Sonnenterasse lassen wir es richtig krachen. Speckknödelsuppe, Brotzeitteller, Nudelgericht, Eisbecher, Weizenbier und was weiß ich noch alles wird vernichtet - aber mal ehrlich, wir haben es uns auch verdient.

Um 13.00 Uhr ist es dann schon wieder soweit: unsere wohlverdiente Pause neigt sich dem Ende und wir brechen zu unserem letzten Stück Weg für diesen Tag auf. Wir haben noch gute zwei bis drei Stunden Gehzeit vor uns, bis wir unser Tagesziel am späten Nachmittag erreichen.

Auf halben Weg dort hin, gönnen wir uns richtigen Urlaub. Matthies hält Ausschau nach einem windstillen Fleckchen Wiese - dieses ist auch nach wenigen Minuten gefunden. Wir alle nehmen den Rucksack ab, holen die Sonnencreme aus dem Fach und legen uns zum Wärmetanken auf das gemütliche weiche Gras. Ahhh, dass tut richtig gut. Ich glaube, es dauert keine fünf Minuten und schon bin ich eingeschlafen. Hier könnte ich ewig liegen.

Aber nix gibt's, schließlich müssen wir ja weiter. Kurve um Kurve geht es nach oben. Das gibt's doch nicht - die Hütte muss doch endlich mal kommen. Der Weg zieht sich schon ganz schön hin, aber letztendlich erreichen wir auch an diesem Tag glücklich und zufrieden unsere Unterkunft. Punkt 17.00 Uhr treffen wir am Defregger Haus ein.

Man braucht nicht sehr lange, um festzustellen, dass auf dieser Hütte in einer Höhe von fast 3000 Metern ein anderes Klima herrscht. Um ehrlich zu sein, es ist schon recht frisch hier oben. In wenigen Worten: ich habe mich nicht gewaschen, nicht umgezogen, keine Zähne geputzt und bin so ins Bett gegangen, wie ich den ganzen Tag gelaufen bin. Tja, so ist es nun mal in den Bergen ;-) ...Schwein...

Zum Abschluss an diesem Tag, muss ich schon noch einmal lobenswert das Abendessen vom Defregger Haus erwähnen, es gab Spagetti der Extraklasse - von mir gibt's fünf Sterne... gute Nacht!

       
    700 m
Schlechtwetter: Abstieg zur Johannis Hütte und Fahrt nach Neukirchen
Gehzeit: 2 Std.
In der Nacht bahnte sich schon das Desaster für den kommenden Tag an. Im Halbschlaf merkte ich, wie es draußen anfängt zu stürmen. Eigentlich habe ich die ganze Nacht kaum ein Auge zugetan. Das lag nicht unbedingt an den Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, eher der Gedank, dass der Großvenediger aufgrund des momentanen Wetters nicht besteigbar sein wird.

"Guten Morgen", schallt es durch den Raum - es wird Zeit aufzustehen. Wir steigen in unsere feuchten Kleidungsstücke vom Vortag und gehen zum Frühstück. Karl ist auch schon da und teilt uns mit, dass wir in Richtung Kürsinger Hütte über den Gletscher aufbrechen werden - und da kommt er, der Satz, mit dem ich gerechnet habe: "aber, an die Besteigung eines Dreitausenders ist heute nicht einmal zu denken". Tja, das war sie, die Nachricht mit der ich gerechnet habe. In dieser Höhe bestimmt nun mal das Wetter, wann man geht und wann nicht. Nach dem Frühstück treffen wir uns alle vor der Hütte. Jeder von uns ist eingepackt wie kurz vor einer Expedition. Die Klettergurte haben wir auch schon einmal angelegt, denn der Weg zum Gletscher ist nicht weit und ab dort müssen wir sowieso am Seil gehen.

Bei dichtem Nebel, einigen Schneeflocken und nicht gerade sommerlichen Temperaturen brechen wir dann endlich auf, nach wenigen Minuten sind wir bereits am Gletscher. Alle zusammen stehen wir da und sehen auf ein weißes Meer. Oben, unten, links und rechts nichts wie weiß... und da überkam es mich - ein flaues Gefühl in der Magengegend. Lange Rede kurzer Sinn: der Gedanke daran, fünf bis sechs Stunden blind, nur geführt durch einen Kompass und ein GPS-Gerät, waren mir in diesem Moment einfach zu viel. Kurz entschlossen verließ ich die Gruppe, stieg zur Johannis Hütte ab und fuhr zurück nach Neukirchen. Natürlich hat man als Teilnehmer solcher Hochtouren zu fast jedem Zeitpunkt die Möglichkeit diese abzubrechen. Man sollte das auch tun und zwar dann, wenn man es mit sich selbst nicht mehr vereinbaren kann. Sonst wird man zur Gefahr für die ganze Gruppe.

Am darauf folgenden Tag habe ich alle in Neukirchen wieder getroffen. Natürlich haben Karl und Matthies die Gruppe heil über den Berg gebracht, was anderes hätte ich auch gar nicht erwartet. Viel gesehen haben sie nicht, wie ich erfahren habe. Aber abenteuerlich war es allemal.


Alle wieder vereint, stellen wir uns zu einem Gruppenfoto vor der Touristeninformation in Neukirchen auf. Nun ist es mal wieder soweit, die Woche ging wie erwartet schnell vorüber und wir müssen Abschied voneinander nehmen.


Und wie immer an dieser Stelle schreibe ich auch dieses Mal... bis demnächst, wir sehen uns wieder in den Bergen!

Die Besteigung des Großvenedigers steht bei mir im übrigen immer noch ganz oben auf der Liste. Ich werde vielleicht im nächsten Jahr wieder hierher nach Neukirchen kommen und den Berg, auf den ich mich so lange gefreut habe, im Rahmen einer Wochenendtour besteigen. Keine Angst, ich werde eine LANGE Schönwetterfront abwarten ;-)

       
 
© Jörg Jahn • post@world-pictures.de