Home
Allgäu-Durchquerung
Alpenüberquerung I
Alpenüberquerung II
Alpenüberquerung III
Alpine Ausbildungswoche
Dolomiten-Durchquerung I
Dolomiten-Durchquerung II
Höhenweg um Zermatt
Kilimanjaro 5895 Meter
Nepal Khumbu Everest
Tauern Haute Route
Tour du Mont Blanc
Werben auf W.P.
Über mich
Links
Kontakt
Impressum
 
Empfehlung
ski-outdoor-shop.de
  HolidayCheck
   
 
Zu Fuß über die Alpen 2006 • Von Rovereto nach Verona
 

Der letzte Akt meiner Alpenüberquerung hat begonnen, heute werde ich das erste mal mit dem Zug zum OASE-Treffpunkt fahren. Früh am Morgen geht es mit der Bahn von Hof über Regensburg nach München, dort werde ich am späten Vormittag auf den Rest der Gruppe treffen. Zugfahren ist ehrlich gesagt nicht so meins, das ist mir zu unflexibel und dieses monotone dahin fahren nervt mich. Ich bin lieber mit dem Auto unterwegs.

Am Bahnhof in München treffe ich den Rest der Gruppe. Bergführer Christian, vom OASE-AlpinCenter sammelt seine Schäfchen ein und wir stellen uns alle in wenigen Worten vor. Die Gruppe ist ein netter Haufen und ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Tage mit ihnen.

Bevor es so richtig los geht, steht uns noch eine abenteuerliche Fahrt mit der Bahn bevor. Wir fahren gemeinsam von München, nach Innsbruck, über den Berner nach Südtirol zum Bahnhof von Rovereto. Diese Fahrt muss ich gestehen hat mir richtig gut gefallen. Den Brenner einmal nicht mit dem Auto zu überqueren hatte was - Nachmachen empfohlen.

In Rovereto angekommen, steigen wir in ein Taxi und fahren zu unserer ersten Unterkunft. Am späten Nachmittag, etwas müde von der langen Anfahrt, laufen wir noch ein paar Meter. Das tat richtig gut! Den ersten Abend verbringen wir in gemeinsamer Runde. Schnell stellt sich heraus was das Thema der Woche sein wird, die Fußball Weltmeisterschaft ist es. Während unserer Tour werden die letzen Spiele sein, Deutschland ist noch im Rennen, Italien auch und pünktlich zum Finale Deutschland gegen den noch Unbekannten werde wir wieder daheim sein. Doch alles wird ganz anders kommen. Heute, an unserem ersten Abend, hoffen wir erst einmal, das alle Hütten mit einem Fernseher ausgestattet sind.

Früh am Morgen des zweiten Tages, geht es dann richtig los. Die Bergschuhe sind geschnürt, der Rucksack bereit und wir stehen in den Startlöchern. Der gesamte dritte Teil auf dem E5 ist alpiner als ich dachte, sicherlich sind es keine Ötztaler mehr die hier herum stehen, aber anstrengend sind die Tagesetappen alle mal auch. Die Landschaft hier wirkt schon sehr Dolomitisch, überhaupt muss ich einmal erwähnen, wer seine Alpenüberquerung in Meran beendet, begeht einen großen Fehler. Erst hier unten bekommt man ein richtiges Gefühl dafür, wie die Alpen von Nord nach Süd verlaufen. Wer behauptet, das sähe man mit dem Auto auch, dem kann ich nur sagen – vergiss es! Nur wo Du zu fuß warst, warst Du wirklich!

Auf einen Punkt möchte ich noch besonders eingehen, der dritte Teil E5 ist eine sehr geschichtsträchtige Tour. Täglich laufen wir vorbei an Schützengräben, gesprengten Berggipfeln und Schützen-Löchern in den Wänden. Hier in dieser Region lieferten sich Italiener und Österreicher im ersten Weltkrieg einen erdbitterlichen Kampf. Was hier oben abging, ist erst erkennbar, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat. Unglaublich was diese Männer dort geleistet haben. Solche Denkmäler, Monumente und Bauwerke halten ein zur Stille.

Nach der Stille allerdings kommt dann abends auf der Hütte erst einmal wieder das Jubeln dran. Deutschland gegen Italien steht auf dem Programm und wir befinden uns auf feindlichem Gebiet - das wird gefährlich. Den ganzen Tag schon hoffen wir, dass es auf der heutigen Hütte einen Fernseher gibt. Wir kommen an, reisen die Tür auf und durchsuchen mit Adlers Augen den Raum, wo steht er, wo steht das Objekt der Begierte, wo ist er – der Fernseher?

Der Hüttenwirt hat extra einen Fernseher besorgt, wir können es vor Freude kaum glauben und jubeln schon mal vorab. Die Ernüchterung allerdings stellt sich schnell wieder ein. Einen Fernseher haben wir, die hektischen Italiener im Eck haben es nur bis jetzt noch nicht geschafft ein Programm einzustellen. Wir geben die Hoffnung mal nicht auf, bis zum Spielbeginn ist es ja noch ein Stück.

Wir gehen erst einmal Duschen, was Essen und freuen uns bei einem Glas Wein auf das Fußballfest im feindlichen Gebiet. Im Fernsehraum angekommen, trauen wir unseren Augen nicht, 20 Minuten vor Spielbeginn, stehen diese drei Italiener immer noch hektisch vor dem Fernseher und nichts geht. Christian und ich sind den Tränen nah. Bitte um Gottes Willen bitte, bringt uns ein Bild ... ein bewegtes Bild.

Das Spiel hat begonnen, alles wird hektisch und immer noch nichts zu sehen. Ich für meinen Teil habe nach 20 Minuten Spielzeit die Schnauze voll und gehe mit meinem Glas Wein auf die Terrasse. Dort sitzen zwei nette Mädels, sich mit denen zu unterhalten macht auf jeden Fall mehr Spaß, als in der Hütte den aufgescheuchten Italienern zu zuschauen. Halbzeit, Christian kommt raus ... „mei Jörg sagt er, das wird heute nichts mehr“ – gibt aber die Hoffnung nicht auf und geht wieder rein. Jetzt hat Christian die Fernbedienung in der Hand und versucht sein möglichstes.

Ein Schrei, ein ultra lauter Schrei kommt aus der Hütte – alles scheint aufgesprungen zu sein, alles Jubelt ... ein Tor? ... nein, es ist das Bild – das Bild ist da. Christian hat es tatsächlich geschafft. Alles rennt in die Hütte, 20 Minuten haben wir noch und es ist noch kein Tor gefallen. Was für ein Jubel in der Hütte! Egal auf welches Tor gestürmt wird, irgend wer schreit immer, ob wir Deutschen oder die Italiener. Was dann kurz vor Schluss passiert ist, brauch ich Euch nicht zu erzählen. Ich wünschte in diesem Moment, Christian hätte es nicht geschafft die Kiste zum laufen zu bringen. TOTAL unverdient schießt doch tatsächlich so ein „Feind“ ein Tor. Das kann doch nicht wahr sein – aus und vorbei der Traum und das noch im feindlichen gebiet, was für eine Schmach ...

Was uns am nächsten Tag bei jeder Begegnung mit Italienern verbal begegnet ist, möchte ich hier gar nicht erwähnen – das tat weh, sehr weh. Das Ende vom Lied war, wir putzten um Platz drei die Portugiesen vom Platz und die WM war vorbei, unsere Gruppe erfolgreich in Verona angekommen und jeder war wieder glücklich.

Etwas wichtiges habe ich auf dieser Tour trotzdem gelernt ...
... lieber Dritter statt Petze ... das werde ich auch meinen Kinder mit auf dem Weg geben ;-)!

Jedem halbwegs begeisterten Wandersmann möchte ich diese Tour ans Herz legen, der E5 Teil 3 ist etwas ganz besonderes – auch ohne WM im Rücken!

Wir sehen uns in den Bergen ...
Euer Jörg

 
 
Wenn Sie die Alpen gut betreut mit einem Bergführer überqueren möchten, dann empfiehlt Ihnen World-Pictures die Bergschule OASE AlpinCenter aus Oberstdorf.
www.oase-alpin.de
 
 
© Jörg Jahn • post@world-pictures.de