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Frankreich - Italien - Schweiz 2004 • Tour du Mont Blanc
 
650 m 700 m
Les Houches Seilbahn Bergst. Bellevue zur Auberge le Truc - Gehzeit ca. 4 Std.

Endlich, da ist er, der 15.08.2004 so lange habe ich wieder einmal auf diesen Tag gewartet. Und ob sich dieses gelohnt hat, werdet ihr gleich erfahren. Es ist 12.00 Uhr, alle 11 anderen Teilnehmer und ich stehen gespannt zur Tour du Mont Blanc an der Seilbahn in Les Houches bereit. Unser Bergführer Richard von der Oase Alpin Schule aus Oberstdorf ist auch schon da. Bevor es los geht, erzählt er uns noch ein paar Worte zur bevorstehenden Tour, die Rucksäcke hat er bereits mit seinen Blick gescannt. Aha... du sag mal, bekomme ich zu hören, wieviel wiegt denn der? Meine kurze Antwort: 12 Kg inkl. 2 Kg Fotoausrüstung... Richard: Naja, du bist noch jung, Du schaffst das schon... Puhhh, geschafft - ich darf alles mitnehmen.

Nachdem wir uns alle kurz beschnuppert haben, fahren wir mit der Seilbahn hinauf zur Bergstation Bellevue. Oben angekommen werden die Teleskopstöcke ausgefahren - und los gehts. Was für eine Aussicht bei strahlendem Sonnenschein. Wir laufen über herrliche Wiesen, links von uns befindet sich das mächtige Mont Blanc Massiv. Die Gletscher sind gewaltig, solche Dimensionen kenne ich von Südtirol her nicht.

Nach einer guten Stunde kommen wir zu einer Hängebrücke über einen reisenden Gletscherbach. Hier sollte wirklich immer nur einer nach dem anderen die Brücke überqueren. Das Ding schaukelt sich sonst auf. Beim Überschreiten der Brücke kommen schon fast nepalesische Gefühle auf. Nach ca. 1,5 Std. Gehzeit machen wir erst einmal Pause. Richard zeigt uns zwei Hütten, die einem bei einer Mont Blanc Besteigung ganz hilfreich sein können. Es ist schon unglaublich in welcher Höhe diese liegen.

So, weiter gehts. Wir laufen nun hoch zum Col de Tricot, unser erster Pass dieser Tour. Oben angekommen können wir den gesamten Weg des heutigen Tages überblicken, auch unser Tagesziel ist am Horizont schon zu sehen. Vor uns im Tal, 400 HM tiefer liegt die Refuge de Miage, wo wir nach unserem Abstieg noch einmal gemütlich Pause machen.

Dort angekommen wird am frischen Brunnen erst einmal der Durst gestillt, sich ein Kännchen Kaffee gegönnt und das ganze mit einem guten Stück Kuchen abgerundet. Das hat richtig gut getan. Nach einer guten Stunde greifen wir dann das letzte Stückchen Weg an. Wir laufen gemütlich im angenehmen Schatten hinauf zum Tagesziel. Nach knapp einer halben Stunde Aufstieg liegt dieses dann auch schon vor uns.

So stelle ich mir eine Wandertour vor. Unsere Hütte die Auberge le Truc liegt in der warmen Abendsonne, der Ausblick ist spitze. Die Chefin des Hauses hat uns bereits erwartet, wir bekommen gleich unser Lager und die Waschgelegenheiten gezeigt. Da kann man nichts sagen, alles ist sehr sauber und gepflegt.

Nach dem guten Abendessen (4 Gänge: Kartoffelsuppe, Omlett mit Nudeln, Käse mit Weisbrot und Pudding) bin ich wirklich satt. Am Abend genieße ich den ruhigen Sonnenuntergang und schreibe mein Tourenbuch auf einer kleinen Bank vor der Hütte. Ich lasse den Tag noch einmal in Gedanken revue passieren. Doch, es hat sich gelohnt - alleine schon dieser erste Tag war die Reise wert. Es ist 22.00 Uhr die letzten Stirnlampen funkeln im dunklen der Nacht, ich liege bereits in meinem Schlafsack. Knipps, nun ist auch die letzte aus... Gute Nacht Tag 1

       
700 m 600 m
Von der Auberge le Truc zur Chalet de la Balme - Gehzeit ca. 6 Std.
6.00 Uhr, da raschelt doch was? Es ist Peter vom World Pictures extreme Team - er schiebt sich gerade neben mir aus seinem neuen und selbst entwickelten Tourenschlafsack. Weiter hinten im Raum höre ich bereits den nächsten Reisverschluss zischen. Nun hält es auch mich nicht mehr. Ich schaue in Richtung Türe. Was sehe ich denn da? Es ist ein sonniger Morgen. Wir frühstücken um 7.00 Uhr, es gibt Weisbrot mit Butter und Marmelade, dazu Kaffee, Tee oder heiße Milch. Zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr ist das Rucksackpacken angesagt. Die Techniken sind unterschiedlich, der eine stopft einfach alles rein, der andere sortiert alles ganz genau und findet hinterher trotzdem nichts mehr. Aber keine Angst, am Ende der Tour weiss man ganz sicher wo sich was befindet.

8.00 Uhr alle stehen pünktlich zur neuen Tagestour bereit. Wir gehen ein gutes Stück bergab, der Weg ist angenehm breit und führt durch dicht bewachsenen Wald. Wir kommen nach einer Stunde Gehzeit an einer Wegkreuzung vorbei. Die Rucksäcke bleiben hier, erzählt uns Richard. Nach 5 Min. Aufstieg stehen wir vor einem kleinen See. Wir machen eine kurze Pause (es kann auch gebadet werden). Zurück bei unseren Rucksäcken machen wir uns nach einem kühlen Schluck aus der Flasche wieder auf den Weg.

Wir laufen einen Pfad mit traumhafter Aussicht in Richtung Refuge de Tré la Teté. Um Punkt 12.00 Uhr kommen wir genau richtig zum Stärken auf der Hütte an. Da fast alle von uns ein Omlett bestellt haben, ist der Küchenchef auf die Idee gekommen einfach für alle ein Rießenomlett in der Pfanne zu prutzeln. Mhhh... es sieht lecker aus, allerdings versucht Petrus uns die Freude an dem Omlett zu vermießen. Erste dunkle Wolken ziehen über die Hütte hinweg - was machen wir, es wird rege hin und her überlegt. Regensachen rauß oder eher nicht, das ist die Frage.

Wir entschließen uns mit Regenkleidung los zu gehen. Nur Richard hat noch nichts an, wie sich nach ein paar Metern Abstieg herrausstellte, hatte die Erfahrung eines Bergführers recht. Die Sonne ist wieder da. Der Weg nach unten ins Tal ist steinig und lang. Nass ist er sicherlich nicht sehr angenehm und ungefährlich zu gehen, also sind wir froh, das es nicht mehr regnet.

Im Tal angekommen müssen wir noch einen breiten Weg zu unserer Hütte La Balme ablaufen. Doch genau hier nimmt die nasse Tragödie ihren Lauf... eine gute halbe Std. vor der Hütte erwischt uns der Regen eiskalt. Jetzt aber schnell, Regenjacke raus, Rucksack wasserdicht verpacken und weiter.

Heiliges Blech, hätte der Regen nicht noch ein paar Minuten warten können. Nass an unserer Unterkunft angekommen wird erst einmal das Schlaflager betrachtet. Doch, schön - alles da was man braucht, ausser Häcken zum Aufhängen. Der Wahnsinn, auf keiner der Hütten findet man in den Zimmern mal ein oder zwei Häcken um seine nassen Sachen aufzuhängen. Bei meiner nächsten Tour habe ich einen Hammer und ein paar Nägel dabei. Aus Holz sind sie fast alle :-)

Bis zum Abendessen hat es dann jeder gemerkt, die Kleidung wird bis Morgen nicht mehr trocken. Egal, wir sehen Morgen weiter. Jetzt, lassen wir uns erst einmal das gute Essen schmecken und ein Gläschen Wein munden. Um 22.00 Uhr ist dann Zapfenstreich. Gute Nacht Tag 2

       
1200 m 1000 m
Von der Chalet de la Balme zur Chalet les Mottets - Gehzeit ca. 7 Std.

Pünktlich wie jeden Tag ist für uns um 6.00 Uhr die Nachtruhe beendet. Das kann jetzt nicht sein, die ganze Nacht war es ruhig, und kaum hat man die Augen offen, fängt es an zu gewittern. Das Unwetter kommt näher und wie soll es anders sein, es fängt an zu regnen. So haben wir uns den noch jungen Tag nicht vorgestellt. Aber noch sind wir guter Dinge, bis 8.00 Uhr sind es ja noch zwei Std. und in dieser Zeit kann sich noch viel ändern.

7.00 Uhr wir sitzen gemütlich bei Weissbrot und Marmelade in der guten Stube der Hütte. Was machen wir? Das Wetter wird einfach nicht besser, es regnet in strömen. Nach einer halben Std. Diskussion ist es dann soweit, wie nicht anders möglich, beschließen wir um 8.00 Uhr bei strömenden Regen los zu gehen.

Die Rucksäcke inkl. Träger sind wasserdicht verpackt, wir sind auf dem Weg zum Col des Fours (2.665 m), dem höchsten Punkt dieser Woche. Doch bis wir dort oben sind, ist es um uns und unserer Kleidung geschehen. Nass, alles nass... aussen durch den Regen und innen durch das Schwitzen beim Aufstieg. Während des gesamten Aufstieges sehe ich nur das Dach meiner Regenjacke, die Schuhe meines Vordermannes und das Wasser, das den Weg herunter läuft. Es pfeift uns ein kalter Wind ins Gesicht, sieht man nach oben - drückt einen der Wind die kalte Luft durch den Kragen unter die Jacke. Kurz vor dem Pass suchen wir Zuflucht in einer Hütte. Dort angekommen, fängt gleich jeder an sich aus- und umzuziehen. Die nasse Kleidung wird in der Hütte zum Trocknen verteilt. Keine Chance, bis wir nach ca. einer Std. Pause und einer Suppe zum Aufwärmen wieder aufbrechen ist alles noch nass und eiskalt. Erst versuche ich meine nasse Kleidung wieder anzuziehen, ich merke aber schnell, wenn ich mit dieser weiter laufe bin ich am nächsten Tag krank. Eigentlich wollte ich nicht schon am dritten Tag meine Ersatzkleidung anziehen, aber es geht einfach im Moment nicht anders.


Wir müssen weiter, keiner traut sich so richtig vor die Hütte. Es ist aussen arsch kalt, ein Wind geht, der einen fast weg bläst und ausgerechnet wir müssen da jetzt durch. Nach ein paar Metern Aufstieg zum Pass bin ich heil froh trockene Kleidung zu tragen, denn es hat aufgehört zu Regnen, nur der kalte Wind ist uns treu geblieben.

Oben am Col des Fours angekommen sehen wir uns erst einmal den herrlichen Nebel an. Ich traue meine Augen nicht, da ist doch was blaues am Himmel. Wie kleine Kinder freuen wir uns über ein kleines Stück wolkenlosen Himmel. Wir steigen bei immer schöner werdenden Wetter in Richtung Chalet les Mottes ab. An einem kleinen Bach machen wir eine Std. Pause um unsere Kleidung zu trocknen. Welch ein Wunder, die Sonne ist da und alles wird trocken.

Um ca. 15.30 Uhr haben wir unser Tagesziel erreicht. Der Schlafsack wird auf die Matratze gerollt, kurz geduscht und schon sitzen wir gemütlich bei Kaffee, Bier oder Tee gemütlich in der Hütte und warten bei netter Unterhaltung auf den kommenden Abend.

Um 19.00 Uhr gibts Essen, es gibt zum Einstieg eine kräftige Gemüsesuppe, dann einen guten Tomatensalat, anschließend Gulaschsuppe mit Reis und Nudeln, dann Käse mit Brot und zum Schluss einen Pudding. Das ganze wird mit einheimischer Musik von der Wirtin auf dem Akkordeon untermalt. Was will man mehr?

Meine Uhr zeigt mir 22.00 Uhr an, auf gehts in den Schlafsack, Man meint das dies kein Problem ist, aber bei stockfinsterer Nacht ohne Licht, finde ich einfach den Eingang zur Schlafhütte nicht. Nach langem suchen dort angekommen, stellt sich mir das nächste Problem, wie komme ich zu meiner Matratze? Ahhh, mein Gebet wurde erhöhrt es kommt jemand mit einer Stirnlampe vorbei, ich nütze diesen Lichtblick und schon bin ich im Bett. Im übrigen, es regnet und gewittert wieder. Der Wind ist so stark, man könnte meinen das Dach hebt jeden Moment ab und der Regen trommelt so laut auf das Dach, das dieses selbst das Schnarchen einiger Personen übertönt. Gute Nacht Tag 3

       
1200 m 900 m
Von der Chalet les Mottets zur Refugio Elena - Gehzeit ca. 8 Std.

Guten Morgen Tag 4! Wie jeden Tag sind wir nach dem Frühstück um 8.00 Uhr wieder unterwegs. Das Wetter ist nicht genau auszumachen, auf der einen Seite blauer Himmel auf der anderen ist es bewölkt. Aber das macht uns gar nichts aus, wir sind schon froh, dass es nicht regnet. Immer die Aiguille des Glaciers im Blickfeld steigen wir den gesamten Morgen in weiten Kehren bergauf. Je höher wir kommen, umso dichter wird der Nebel um uns.

Nach einem langen Anstieg stehen wir nun am Col de la Seigne (2.516 m), von hier aus soll man die schönste Aussicht auf den Mont Blanc haben. Ich für meinen Teil bin schon froh, dass ich den Mann vor mir noch erkenne. Wir sind eingehüllt in dichtem Nebel! Für mich als Fotograf ist das der Genickbruch schlecht hin, auf der gesamten Tour wusste ich, wenn ich ohne Fotos nach Hause komme, kann ich keinen vernünftigen Bericht erstellen. Also musste ich auf biegen und brechen fotografieren. Aus diesem Grund war ich die meiste Zeit damit beschäftigt meinen Foto ein- und auszupacken. Rucksack runter... Rucksack rauf... Wer weiss, was eine Digitale Spiegelreflex kostet, versteht die Angst um meine Kamera, wenn diese einmal nass ist, dann war es das mit knipsi knipsi...

Da wir also am Pass nichts sehen konnten, gingen wir nach einer Müsli-Pause weiter. Inzwischen befanden wir uns auf italienischen Boden. Irgendwie kommt es mir auf dieser Tour vor, als ob der Sonnenschein proportional zum Abstieg steht. Je weiter wir nach unten kommen, umso schöner wird das Wetter. Nach einer Std. kommen wir an der Rif. Elisabetta vorbei, hier machen wir unsere wohl verdiente Mittagspause. Man bekommt hier das, was das Herz begehrt, von einem Stück Kuchen mit Kaffee bis hin zum Baguette mit Bier. Wir lassen es uns bei Sonnenschein und Gletscherluft auf der Terasse richtig gut gehen.

Die Zeit vergeht während der Pausen wie im Fluge. Auf gehts, den Weg den wir weiter bergab gehen, hatten wir schon während der gesamten Mittagspause vor Augen. Nach einer knappen halben Stunde Gehzeit kommen wir auf eine Straße. Diese laufen wir noch ca. 45 Min. bergab bis zu einer Bushaltestelle. Es könnte nicht besser laufen, wir und der Bus treffen zeitgleich ein. Rein in die Mühle und ab gehts über Courmayeur nach Arnuva. Die Fahrt zieht sich über ca. 2 Std. hin. Auch in Courmayeur hat das Umsteigen super geklappt.


In Arnuva angekommen, läuft jeder die ersten Meter, wie wenn wir eine 50 jährige Zeitreise hinter uns gebracht haben. Doch nach 5 Min. sind die Gelenke wieder geschmiert und wir laufen top fit wie jeden Tag unserem Tagesziel entgegen.

Wir haben sie erreicht, die Refugio Elena (2.062 m) liegt uns zu Füssen. Ahhh, was sehen meine Augen, hier sieht es ja aus wie im Hotel. Ehrlich gesagt, diese Hütte muss man schon mal extra loben, die Zimmer, das Bad, der Service, das Abendessen und die Sauberkeit ist mit keiner der anderen Hütten zu vergleichen. Ein großes Lob von meiner Seite!

Wie sollte es in Italien anders sein, wir bekommen zum Abendessen leckere Spaghetti mit viel drum herum. Nach einem plauschigen Abend mit einem Gläschen Wein gehen wir um ca. 22.00 Uhr in den Schlafsack. Ein schöner Tag neigt sich dem Ende. Ich denke an die Fotos die ich am Col de la Seigne hätte machen können. Tief eingeschlafen träume ich von einer Oase Gruppe die zwei Wochen später die TMB läuft und eine Woche lang Sonnenschein genießt. Der Traum schüttelt mich hin und her... zifix, waren wir nicht brav???

       
800 m 800 m
Von der Refugio Elena zur Relais d'Arpette - Gehzeit ca. 7 Std.
Am Abend zuvor war das Wetter nicht sehr gut, also hab ich mir gesagt, fotografiere doch die Hütte morgen, gleich nach dem aufstehen. Gesagt, getan! Wie glepant gehe ich zielstrebig noch vor dem Frühstück in Richtung Ausgang. Ich öffne die Türe und muss feststellen, dass keine Landschaft mehr da ist. Wo sind die Berge? Die Erklärung ist recht einfach, ein dichter Nebel versperrt mir jegliche Sicht, es ist nicht einmal möglich die Hütte zu fotografieren.

Als wir um 8.00 Uhr unterwegs waren, hatte sich das Wetter kein wenig verändert. Nach einigen Metern Höhe, blicke ich noch einmal zurück zur Hütte, mache ein Nebelfoto in der Hoffnung am PC noch einiges verbessern zu können. Der Aufstieg ist angenehm, Richard geht ein schönes Tempo. Er läuft sehr konstant, somit kommt man auch nicht ausser Puste.


Wir steigen Kurve um Kurve bergauf zum Grand Col Ferret (2.537 m). Dort angekommen, genießen wir die herrliche Nebelaussicht. Es ist nichts zu sehen, aber so kann es einem ergehen, der Mont Everest oder der K2 wurden auch nicht beim ersten Mal bezwungen. Da muss man eben wieder kommen... und ich komme wieder - diese Fotos lasse ich mir nicht entgehen!

Wir steigen nach dem Pass auf Schweizer Boden wieder ab, rechts neben uns liegen einige Schafe zusammengekauert auf einer Wiese. Nach einer Weile am Berg, ein Stück weiter unten geschieht es dann, wie von uns allen erwartet wird auch an diesem Tag das Wetter wieder besser. Eine herrliche Aussicht begleitet uns bis zur ersten Hütte am Wegesrand. Wir legen eine Müsli Pause ein.

Frisch gestärkt geht es immer weiter bergab in Richtung Ferret. Der Weg ist traumhaft, wir genießen die Strecke begleitet von einer spitzen Aussicht. Die scharf wirkenden Zacken des Mont Blanc Massives zwischen den Ausläufern der Gletscher wirken fast schon bedrohlich.
Vorbei an kleinen Schweizer Häusern in einer malerischen Landschaft bringen wir die letzten Meter zur Bushaltestelle in Ferret hinter uns.


Wir warten keine halbe Stunde und schon sind wir bequem mit dem Bus in Richtung Champex unterwegs. Nach einer guten Stunde Fahrzeit durch die Schweiz haben wir dann auch unsere letzte Busfahrt hinter uns gebracht.

Beim Aussteigen haben unsere hungrigen Augen die Terasse des Restaurants neben der Bushaltestelle entdeckt. Richard, hier müssen wir eine Pause einlegen. Schon fast im Chor kommt diese Aussage. Auch die Sonne ist der Meinung, dass wir uns auf der Terasse niederlassen können. Das ist Urlaub pur, ich hab mir gleich mal eine Portion Spaghetti inkl. einer kühlen Cola bestellt - ach tut das gut!

Wir runden nach dieser Pause den Tag noch mit einem kleinen Anstieg in Richtung Relais d`Arpette unserer Unterkunft ab. Die letzten Meter gehen wir durch einen Märchenwald, begleitet von einem kleinen Gebirgsbach. TRAUMHAFT! Nach einer guten halben Stunde Gehzeit sind wir dann auch am Ziel diese Tages.

Die Zimmer sind gut, die Duschen sehr gut, und das Essen vorzüglich. Man kann in der Relais d`Arpette zwischen zwei Menüs wählen. Es gibt Spaghetti mit allem drum herum oder Fondue. Ich habe mich für das Zweite entschieden und war auch nach dem Essen mit meiner Wahl mehr als zufrieden. Es hat wirklich super geschmeckt. Auch die Spaghetti-Esser schwärmten uns von Ihrer Portion vor.

Wie an jeden Abend sitzen wir auch an diesem zusammen und philosophieren über das Wetter, den letzten Tag oder über Touren die der ein oder andere schon erlebt hat. Unterstützt werden wir dabei wie üblich von einem guten Gläschen Wein. Gute Nacht Tag 5
       
1050 m 1200 m
Von der Fenêtre d'Arpette zum Hotel Col de la Forclaz - Gehzeit ca. 8 Std.

Wir sind auf dem Weg nach oben, heute müssen wir über den Pass Fenêtre d`Arpette (2.665 m). Wie an jedem Tag haben wir alle zusammen gut gefrühstückt und sind seit 8.00 Uhr auf den Beinen. Es ist bewölkt, das Gelände kommt einen schon fast mystisch vor. Ein schöner Wanderweg führt uns endlos nach oben. Die Gruppe löst sich auf, wer schneller gehen möchte kann schon einmal voraus gehen.

Je weiter wir dem Pass entgegen kommen, umso dichter wird der Nebel um uns. Ein Blick in die Ferne ist kaum noch möglich. Doch hören können wir weit. Da war was, alle bleiben wie angewurzelt stehen. Nichts, wir gehen weiter... es hörte sich an wie..., da ist es wieder... wie steif gefrohren stehen wir da und können nur zuhören, wie auf der anderen Seite des Berges, nicht weit von uns ein mächtiger Steinschlag ins Tal poldert. Wahnsinn das hört überhaupt nicht auf - hoffentlich war da niemand in der Nähe.


Wir sind nun schon seit zwei Std. unterwegs, das Gelände wird immer blockiger. Jetzt muss man bei fast jedem Schritt sein ganzes Gewicht inkl. Rucksack über größere Steine nach oben drücken. Das kostet auf Dauer ganz schön Kraft. Nach einem letzten steilen Stück haben wir es dann nach 2 Std. und 15 Min geschafft. Der Aufstieg ist nicht ganz ohne!


Oben angekommen, wird erst einmal ein Schluck erfrischendes Nass aus der Flasche genommen, ein Müsli-Riegel verdrückt und sich ein paar Minuten zurück gelegt. Bis die letzten oben ankommen, vergehen gute 45 Min.

In dieser Zeit genießen wir die langsam zu uns stoßende Sonne. Wo steigen wir denn jetzt eigentlich ab? Ein paar Meter weiter um die Ecke bietet sich mir ein Blick, welcher die Anstrengung des Anstieges schnell vergessen lässt. Das ist das schöne an einem Fernwanderweg, man geht keinen Weg zweimal. Vor mir liegt das Abstiegstal, überdeckt vom blauen Himmel und eingerahmt von einem Gipfelmeer, dazwischen liegt der mächtige Trient- Gletscher. Klasse, der erste Pass dieser Tour mit Aussicht.

Alle sind da, also kann es weiter gehen. Wir steigen das erste Stück genau so wieder ab, wie wir es zuvor aufgestiegen sind. Es ist blockiges Gelände, Vorsicht ist geboten. Man muss wirklich aufpassen, wo man den nächsten Fuss hinsetzt.

Im Tal kommt eine Hütte zum Vorschein und wir haben es uns verdient, eine Pause ist angesagt. Bei Bier, Wein, Snickers, Sandwich usw. lassen wir uns an einem gemütlichen Platz an der Hütte nieder. Ach, wie schön sind diese Pausen, ohne die würde das Wandern nur halb so schön sein :-)


Die letzte Stunde des Tages gehen wir einen gemütlichen Weg in Richtung Hotel Col de la Forclaz. Der Weg ist breit, man kann nebeneinander laufen und dabei eine nette Unterhaltung pflegen. Schöner Weg! Am Hotel angekommen, sitzen wir alle zusammen auf der sonnigen Terasse. Ach, das tut gut - der Tag war anstrengend, aber vielleicht der schönste der ganzen Tour.

Auch dieser Tag neigt sich mit den gewöhnlichen Ritualen dem Ende entgegen. Rucksack auspacken, Schlafsack ausrollen, zu Abend Essen noch einwenig unterhalten und ehe man sich versieht, liegt man müde in seinem Schlafsack. Gute Nacht Tag 6

       
800 m 700 m
Vom Hotel Col de la Forclaz zurück nach Chamonix - Gehzeit ca. 6 Std.
Es hat die ganze Nacht gestürmt, geregnet und gewittert. Gleich nach dem Aufstehen gehe ich nach unten um die Nase aus der Tür zu stecken. Ich habe es mir fast gedacht, es stürmt, ist kalt und regnet. Wie ausgemacht, wird um 7.00 Uhr gefrühstückt und um 8.00 Uhr ist Treffpunkt zur letzten Etappe.

Zusammengekauert stehen wir vor dem Hotel und warten auf das Startsignal von Richard. Also, packen wir's - es regnet kaum noch. Wir gehen ein gutes Stück bergab, einige male kreuzen wir die Passstraße bis wir in einer Talsole angekommen sind. Noch ein aller letztes Mal sehen wir nach links zum Pass Fenetre d´ Arpette. Es hat heute Nacht nicht nur geregnet, weiter oben ist Schnee gefallen. Dort wo wir gestern über den Pass sind, liegt bereits heute Schnee. Wir hatten Glück, denn der Schnee kann auch Eis sein und mit Eis und Schnee auf den Steinen ist der Fenetre d´ Arpette mit Vorsicht zu genießen.

Wir gehen die ersten Höhenmeter Richtung Col de Balme durch einen dichten Wald, der uns erst einmal den größten Teil des Regens abhält. An der Baumgrenze machen wir eine kurze Rast. Es ist Zeit sich umzuziehen. Der Rucksack wird verpackt, die Regenjacke angelegt.

Es geht ein kühler kräftiger Wind, man merkt das wir fast oben sind. Der Wind wird immer stärker. Meine Fingerspitzen spüre ich kaum noch, ich bin total durchnässt.

Kurz vor dem Pass liegt eine kleine Hütte - nichts wie rein. Der Rucksack wird in die Ecke gestellt, ich hole mir meine letzten trockenen Kleidungsstücke heraus, ziehe sie mir über und ab gehts in die gute Stube.

Die Hütte ist zwar nicht beheizt und kalt, aber das ist uns egal. Denn für uns ist jetzt Weihnachten, es gibt Glühwein, heisse Schokolade und eine warme Suppe - es fehlt nur noch der Baum und die Geschenke.

Nach der Pause geht es weiter. Ich mache den ersten Schritt nach draussen, es ist so kalt, das ich nach 5 Min. meine Fingerspitzen nicht mehr spüre, der Wind bläst einen fast weg. Jetzt nichts wie runter von diesem Pass. Was ich natürlich wieder einmal nicht gesehen habe, wie sollte es auch anders sein, ist der Mont Blanc.

Und auch an diesem Tag wird das Wetter besser, je weiter wir uns dem Tal nähern. Das letzte Stück durch die Ortschaften um Chamonix fahren wir mit dem Bus.

In Chamonix angekommen, fahren wir gleich nach Les Houches weiter um unser Auto wieder nach Chamonix zu holen. Mit dem Auto am Hotel haben wir wenigstens die Möglichkeit gleich am Sonntag nach dem Frühstück nach Hause zufahren.

Einen gemütlichen Abschiedsabend verbringen wir alle zusammen ein letztes Mal im Hotel El Paso. Am Tisch wird sich bei köstlichem Mexikanischen Essen über alles mögliche unterhalten. Was machst Du im nächsten Jahr - wie, dort warst du schon - höre ich von jeder Seite. Natürlich muss man nach einer abgeschlossenen Tour etwas neues planen. Es sind nicht die Erinnerungen die uns am Leben halten, nur die Pläne der Zukunft treiben uns weiter.

Auch wenn ich noch so oft über das schlechte Wetter geschrieben habe, bin ich jetzt fest davon überzeugt, dass genau dieses den Flair unserer abenteuerlichen Tour ausgemacht hat.

Wir sehen uns in den Bergen, bis dahin - Berg heil!
       
 
© Jörg Jahn • post@world-pictures.de